Sternbild Becher

Steckbrief

Lateinischer Name
Crater
Hemisphäre
Südliche Hemisphäre
Sichtbarkeit
März - Mai
Fläche
282 deg²
Hellster Stern
Labr (HIP Nummer 55282)
Besonderheit
Mehrere Galaxien
Sternbild Becher

Der Becher (lat. Crater) ist eines von 48 Sternbildern, die bereits in der Antike von dem griechisch-römischen Astronom Ptolemäus erwähnt wurden. Zwischendurch wurde das Sternbild auch als der „Kelch der Leide Christi“ interpretiert, jedoch hat sich dies nicht durchgesetzt.

Während die heutige deutsche Bezeichnung eher simpel wirkt, spiegelt der lateinische Name ein Statussymbol der Antike wider. Ein Crater wurde aufwändig und kostspielig hergestellt, damit in ihm der königliche Wein mit Kräutern verfeinert und mit Wasser verdünnt werden konnte.

Hemisphäre, Sichtbarkeit und Fläche

Das Sternbild Becher ist eine unauffällige und kleine Konstellation des Südhimmels. Obwohl es in der südlichen Hemisphäre liegt, kann es auch nördlich des Äquators beobachtet werden. Es zeigt sich bis zur Breite 65°N, was unweit des nördlichen Polarkreises liegt.

Die besten Monate die Konstellation am Nachthimmel zu beobachten sind von November bis Mai.

Je nach Darstellung ist der Kelch nach oben geöffnet und wird von zwei Beinen getragen. In vielen Visualisierungen sind die Beine aber auch miteinander verbunden und der Kelch nach obenhin geschlossen. So ergeben sich zwei aufeinander gestapelte eckige Formen, die weiterhin an einen Kelch erinnern.

In der Nachbarschaft des Sternbilds Becher befinden sich der Löwe, der Sextant, der Rabe und die Jungfrau. Auch die Nördliche Wasserschlange schlängelt sich entlang des Sternbildes. Mit dieser und dem Raben hat der Becher auch mythologisch gesehen eine enge Verbindung.

Das Sternbild des Bechers besteht aus eher unauffälligen Sternen der vierten Größenklasse. Sein hellster Stern ist Labr (lat. δ Crateris), der gerade mal eine scheinbare Helligkeit von 3,56 mag hat. Es handelt sich hierbei um einen orangenen Riesenstern in rund 196 Lichtjahren Entfernung.

Besonderheiten im Sternbild

In dem Bereich des Bechers entdeckte der deutsch-britische Astronom Wilhelm Herschel drei Galaxien.

Im Jahr 1785 fand er die beiden Balkenspiralgalaxien NGC 3887 und NGC 3981. Während NGC 3887 Schätzungen zufolge 47 Millionen Lichtjahre von der Milchstraße entfernt liegt, ist NGC 3981 mit geschätzten 70 Millionen Lichtjahren noch weiter entfernt.

Balkenspiralgalaxie NGC 3981
Balkenspiralgalaxie NGC 3981, Autor: ESO, Quelle: https://www.eso.org/public/images/eso1830a/

Ein Jahr später, also 1786, entdeckte er zusätzlich die Balkenspiralgalaxie NGC 3511. Ihre Entfernung zur Milchstraße wird auf 41 Millionen Lichtjahre geschätzt.

Geschichte und Mythologie

Zwei Erzählungen der griechischen Mythologie sind mit dem Sternbild des Bechers verbunden.

Die erste handelt von Apollon, der seinen Raben mit einem Becher zu einer Quelle schickte, um ihm Wasser zu bringen. Auf dem Weg dorthin ließ sich der Rabe jedoch von Früchten ablenken. Er wollte unbedingt von den Früchten kosten und musste dafür einige Tage warten, bis diese reif wurden. Dadurch konnte er seinen Auftrag erst deutlich später erfüllen.

Um Apollon zu besänftigen, ließ sich der Rabe eine Entschuldigung einfallen und behauptete, dass eine Wasserschlange ihm den Weg versperrte. Um seine Ausrede glaubhaft zu machen, tötete er die Schlange und brachte sie mit zu Apollon.

Apollon jedoch erkannte die Unwahrhaftigkeit und setzte erzürnt die drei Beteiligten zur Warnung für alle Lügner in den Himmel.

In einer anderen Erzählung handelt es sich um den Becher, aus dem der König Demophon aus Elaios das Blut seiner eigenen Tochter trank.

Dieser ließ in seinem Königreich jedes Jahr eine Adelstochter opfern, um Seuchen zu vermeiden. Seine eigenen Nachkommen befanden sich allerdings nie unter den Losen der Opfer.

Als der adlige Matusios den König aufforderte, auch seine Tochter dem Schicksal zu stellen, fiel die Wahl des Königs auf dessen Tochter. Rachsüchtig tötete Matusios daraufhin die Prinzessin und setzte dem Vater einen Wein vor, in dem sich das Blut seiner ermordeten Tochter befand.

Der König ließ Matusios schließlich hinrichten und setzte den Becher zur Warnung aller in den Himmel.